| Regie | Michel Gondry |
| Kinostart | 03.04.2008 |
Jerry und Mike kennen sich von klein auf. Jerry ist Mechaniker, er lebt in einem Wohnwagen und hasst das benachbarte Kraftwerk. Auf der anderen Straßenseite wohnt Mike. Er arbeitet in der örtlichen Videothek. Bei einem Anschlag auf das Kraftwerk werden die Filme in Fletchers Videothek zerstört. Was tun? Die einzige Möglichkeit, Fletchers Filmschatz wiederherzustellen, scheint in der Produktion von Remakes zu liegen. Und so machen sich Mike und Jerry daran, Instantfassungen der beliebtesten Videos zu produzieren...
ABGEDREHT feiert Phantasie und Begeisterung fürs Kino als hinreißend komisches Fest, schreibt Rochus Wolff. Wo der Regisseur "bei seinen Leisten bleibt und die Möglichkeiten des Kinos feiert, Emotionen zu evozieren, zu begeistern und zu verzaubern, da ist Abgedreht nicht nur oft zum Brüllen komisch, sondern eben auch stets von einem Hauch Moder und Vergänglichkeit umgeben, die aus Gondrys nostalgischer Grundkonstellation zwingend hervordünstet. Genau diese Gegenmelodie braucht die jeder Modernität kritisch gegenüberstehende Story von Abgedreht jedoch, denn so einfach darf es sich das Kino nicht machen: Film ist schließlich ein Medium unserer Zeit."
"Michel Gondry ist vielleicht der letzte Fantast des Kinos. Ihm geht es im Grunde um nichts anderes als das Aufzeigen des Unzeigbaren: die Windungen des Hirns, das innere Auge. Das ist der heimliche rote Faden seines Oeuvres.", schreibt Peter Zander. "Weg von den Blockbustern, vom Big Budget und den ewigen Computer-Effekten. Jeder kann - das wird auch You-Tube gerne hören - sein eigener Regisseur sein. Lasst eure Fantasie raus, propagiert dieser Film, auch wenn die Kulissen wackeln und eure Tricks durchschaubar sind. Was zählt, ist Handarbeit, Innovation, Charme und - Originalität."
Eine Homage an die Nostalgie sah Barbara Schweizerhof. "Tatsächlich scheint es Gondry weniger um Originalität als um die Behauptung von Originalität zu gehen. Das bunte Völkchen, das da vor Mr. Fletchers Laden Schlange steht, besteht aus Modernisierungsverlierern. Für sie denkt sich Gondry hier eine Nachbarschaftskultur aus, die ihre Ideen ganz eklektizistisch aus der Mainstreamkultur nimmt und sich diese im Prozess des "Schwedens" aneignet. Manch Original wird dabei zum Traum."
Mit Jens Balzer spricht Regisseur Michel Gondry im Interview über Gut und Böse und seinen neuen Film ABGEDREHT.
Als Bravourstückchen bezeichnet Jan Schulz-Ojala den Film. "Eine Feier des Films und des Filmens; ein Riesenspaß vor allem will ABGEDREHT sein und – Hand aufs Herz – nicht mehr als das. Darf da der Berufskinogucker sagen, dass er sich, bei aller Projektgrundsympathie, mitten im brimborösen Chaos ein klitzekleines bisschen gelangweilt hat – und gesehnt nach den einsamkeitsgeplagten und verrücktverliebten Außenseitern aus Gondrys früheren Filmen? Natürlich darf er’s nicht, und so lässt er’s einfach bleiben."
Gondrys Filmidee ist aus dem reinen Spaß an der Freude geboren, glaubt Daniel Kothenschulte. "Tatsächlich ist es gerade die altertümliche Naivität seiner Rahmenhandlung, die diesem Film Liebenswürdigkeit verleiht. Über weite Strecken verbreitet er die fast vergessene Hemdsärmlichkeit von Disney-Komödien aus den Siebzigern. Kleinen Meisterwerken wie ZOTTI DAS URVIECH oder DIE KATZE AUS DEM WELTRAUM. Das Problem sind allein die vermeintlichen Höhepunkte, trashige und wirklich kein bisschen komische Parodien von Preziosen wie GHOST BUSTERS oder RUSH HOUR 2."
Thomas Lindemann erklärt der Regisseur, dass jeder seine eigenen Filme drehen sollte.
90 Minuten hat Lilian-Astrid Geese kichernd und glucksend im Kinosessel verbracht. "Es gibt melancholische Komödien, alberne Witze, Gagfeuerwerke, frechen Humor – und geniale Filme, die alles das sind. Wer gern lacht und kein Problem damit hat, den Eyeliner erst nach der Vorstellung aufzutragen, weil er sonst sowieso verschmiert, sollte diese Satire unbedingt sehen. Es ist ein sympathisches, modernes Märchen, das einfach Spaß macht."
Gondry ist ein Erinnerungs- und Bewusstseinsfilmer, ein Sigmund Freud des Popcornkinos, schreibt Christian Buß. ABGEDREHT stimmt "eher unfreiwillig eine Hymne auf das Kino an, auf jenes Medium also, das ja eben im von ihm gefeierten Home-Entertainment seinen stärksten Feind hat. Denn war es nicht der Siegeszug des Videos, durch den in den Achtzigern das Kino als sozialer Ort zerstört zu werden drohte? Dieser Paradoxie zum Trotz bekommt man bei all dem zärtlichen Witz in ABGEDREHT Lust, mal wieder eine richtig schäbige Videothek aufzusuchen."
ABGEDREHT ist für Andreas Platthaus ein toller Film. "Gerade im Vergleich mit Gondrys Vorgängerfilm SCIENCE OF SLEEP werden die Stärken von ABGEDREHT deutlich. Obwohl auch diesmal eine veritable Ausstattungsorgie zu bewundern ist, werden die künstliche Gestaltung der Dekors und der freie Lauf der Phantasie bei den Protagonisten hier nie zum Selbstzweck, sondern stehen immer im Banne eines höheren Ziels: Wie können Jerry und Mike den Videoladen vor dem Ruin (und später auch noch vor dem Abriss) retten?"
Im Interview mit Constanze von Bullion erzählt Regisseur Michel Gondry, warum aus ABGEDREHT eine Hommage an den Dilettantismus wurde und die wahren Helden von der Straße kommen.
Die Blockbuster-Striptease hat Doris Kuhn gefallen. "Gondrys Ziel ist es dabei, das Herz der Kinematographie freizulegen, die ja nichts anderes ist als ein Jahrmarktsbetrug. Er schafft es, eine Mischung aus capraesker Sentimentalität und Euphorie herzustellen, bei der man sich nebenher darüber wundern kann, welche Nostalgie inzwischen mit dem Medium Video einhergeht, das dem Stummfilm näher zu sein scheint als der Gegenwart. Trotzdem fällt ABGEDREHT aus dem Gondry-Universum heraus. Das Wesen der Wirklichkeit ist weniger rätselhaft, der Humor derber, die Handlung stringent."
Julian Weber verrät der Regisseur, warum er bei seinen Dreharbeiten sanftes Chaos schätzt.
Die Story hat zunächst Witz und Charme, lobt Mark Stöhr, aber Gondry ist irgendwann "endgültig in die Einbahnstraße der Schmonzette eingebogen und hat jeden erzählerischen Kredit verspielt. Da retten ihn auch nicht mehr seine Wunderwerke aus Draht und Pappmachee, mit denen er zuvor Jerrys und Mikes Best-ofs der Filmgeschichte so vortrefflich ausgekleidet hatte. Durch seine Fantasieräume zieht nun ein kalter Hauch der Langeweile. Alles so schön bunt hier, mehr nicht. Die Idee hätte einen besseren Erzähler verdient gehabt."
Durchwachsen nennt Michael Meyns den Film. "Die Grundidee von ABGEDREHT ist hinreißend, auch die Ausführung der einzelnen selbst gedrehten Filme zeugt von jenem verspielten, visuellen Ideenreichtum für den Gondry bekannt geworden ist. Doch viel weiter führt Gondry die Geschichte nicht. Andeutungsweise wird zwar ein Gegensatz zwischen modernem, von Computertechnologie geprägtem Blockbuster-Kino (Symbolisiert durch die gleichnamige Videoverleih-Kette) und dem alten, quasi handgemachten Kino aufgebaut. Doch abgesehen davon, dass handgemachtes nicht automatisch origineller oder besser ist, entwickelt Gondry diesen Gedanken auch nicht weiter."
Sebastian Handke gefallen die Spiegeltricks, Basteleien und optischen Täuschungen. "In dieser Hinsicht hält der Film, was er verspricht: BE KIND REWIND ist voller herrlicher Einfälle, besonders in einer atemberaubend virtuosen Montage, die das Dilettanten-Team bei der Arbeit an einem Dutzend Filme zeigt. Doch so richtig zünden will der Film nicht, und das liegt daran, dass BE KIND REWIND selbst ein kleines Rückspulmanöver macht: ein Handlungsstrang, in dem es um den drohenden Abriss des Gebäudes geht, spielt sich zunehmend in den Vordergrund. Aus der Komödie wird eine nostalgische Wiederaufnahme des alten Hollywood-Kinos im Stil von Frank Capra."
Hier wird das Kino gefeiert, freut sich Jens Balzer. "Nach der zehntägigen Überflutung mit Bildern löscht er für uns die vollen Magnetbänder und führt uns wieder zur Knappheit zurück und zur Freude am Elementaren. Michel Gondry feiert das Filmemachen als Erschaffung einer eigenen Welt aus dem Geist der Imitation. Er zeigt, wie aus dem Nachstellen von Bildern schließlich echte Schaffenskraft wird - und wie echte Schaffenskraft auf das Lernen durch Imitieren angewiesen ist."