| Regie | Wolfgang Eißler |
| Kinostart | 10.01.2008 |
Tom und Malte sind Freunde. Für Tom gibt es nur eine große Leidenschaft: Musik. Doch auf seine Versuche, sich einen Studienplatz an einer Musikhochschule zu sichern, hagelte es nur Absagen. Als eines Tages Mavie in der Berliner WG einzieht, beginnt für Tom die große Gefühlsachterbahn. Der Draufgänger Malte hingegen scheint das Glück für sich gepachtet zu haben: Alles, was er anfasst, gelingt. Er bekommt einen Platz an der Musikhochschule, ein Plattenlabel nimmt ihn unter Vertrag, und auch Mavie scheint seinem Charme zu erliegen. Da sieht Tom keinen anderen Ausweg als die Flucht, raus aus der Stadt...
Für Daniela Zinser feiert der Film die Party-Menschen in der Hauptstadt. "Wie eine Ansichtskarte wirkt dieser Film. Die Bilder blendend, fast über-schön, aber auch ein bisschen aus der Zeit. Vergangen, voller Kitsch und Klischees. BERLIN AM MEER feiert die Party-Menschen in der Hauptstadt und ist dabei tief in den 1990ern stecken geblieben. "Betrunken, Fummeln, Kekse, Streit", unter diesen Stichwörtern kann man sich auf der Internetseite zum Film Szenen ansehen – und damit ist der Inhalt auch schon ganz treffend zusammengefasst."
American-Pie-Gags und Underground-Gehabe hat Adrian Renner hier entdeckt. "Es könnte ein sympathischer, melancholischer Kinoaugenblick sein, Robert Stadlober und Anna Brüggemann sind in ihrem jugendlichen Ernst ganz hübsch anzuschauen, aber dann ertränkt Robert Eißler den Moment in ziemlich krawalligem Klamauk - wie so oft im Film. Das Privileg dieser Studentenjahre mag ja sein, ernste Dinge (Arbeit, Geld, Zukunft) vernachlässigen zu können, dafür Nebensächlichkeiten (Partys, Liebe, Musik) wichtig zu nehmen. Aber Eißler verwechselt in seinem Film diese Unbeschwertheit mit Albernheit."
Der Regisseur versucht mit aller Kraft eine leichtfüßige, krasse, bewegende Berliner Sommergeschichte vor dem Hintergrund der ranzigen Stadtkulisse zu erzählen – und verhebt sich, kritisiert Julian Hanich. "Gibt es etwas Gekünstelteres als den inszenierten Exzess? Nicht ganz unschuldig dabei: die Darsteller. Sie mögen sich zwar im Einzelnen einen gewissen Ruf im realen Berliner Nachtleben erarbeitet haben. Trotzdem wirkt vieles wie aufgesagt. Das gilt insbesondere für Robert Stadlober, der seit seinen vielversprechenden Anfängen in SONNENALLEE und CRAZY manches schuldig geblieben ist."
Hier ist alles weit aufgedreht, findet Thomas Lindemann. "Das alles ist so betont jung und so anstrengend, dass man davor nur kapitulieren kann. Dieser Film ist wie Hermann Hesse Lesen: Ernst nehmen darf man es natürlich nicht. Aber wenn man sich drauf einlässt, macht es richtig Spaß. Letztlich sind hier also ein paar hübsche Weisheiten fürs Leben inszeniert."
Das Langfilmdebüt rund um das Metropolen- und Boheme-Gerede hat Thorsten Funke nicht wirklich überzeugt. "Der Film hat dabei dieselben Probleme wie die Stadt: Wer wirklich wichtig ist, redet nicht ständig darüber, und Prenzlauer Berg ist nicht Greenwich Village. Die Bohemiens um Tom und Malte sitzen um riesige Töpfe mit Spaghetti wie Neandertaler um ein Lagerfeuer, benutzen Worte wie "bitch" und veranstalten Komasaufspiele, als wären sie 16. Außerdem gebührt dem Drehbuch der Preis für den dümmsten Anglizismus in einem deutschen Film seit langem. Er wird von Malte gesprochen, lautet: "Ich habe mit denen gesignt" - oder schreibt man das "gesigned"? - und bezeichnet seine Unterschrift unter einen Plattenvertrag."