| Regie | José Padilha |
| Kinostart | 06.08.2009 |
Der Film thematisiert den ungeheuren Einfluss der Drogenmafia auf die ärmsten Bewohner Brasiliens und zeigt den Alltag einer brutalen und von Korruption durchsetzten Spezialeinheit der brasilianischen Militärpolizei.
Der Film beginnt wie ein Musikvideoclip, stellt Joachim Kurz fest. "Genauso hart, laut und rasant geht dieser Film auch weiter. Padilha führt schonungslos den Kampf gegen die außer Kontrolle geratenen Favelas vor Augen und er lässt keinen Zweifel daran, dass dies ein Krieg ist, der mit unlauteren Mitteln und aus manchmal denkwürdigen abstrusen Motiven geführt wird – in diesem Falle sind es der bevorstehende Papstbesuch und die Sorgen um die Nachtruhe des Hl. Vaters, die eine Gewaltwelle unvorstellbaren Ausmaßes lostreten."
Der Film ist laut, rasant und brutal, schreibt Matthias Heine. "In Brasilien haben den THE ELITE SQUAD zwölf Millionen Menschen auf einer illegalen DVD gesehen und dann noch einmal 2,5 Millionen im Kino. Von dort kam schon der beste Gangsterfilm der letzten Jahrzehnte (CITY OF GOD) und nun auch dieser tolle Polizeifilm von Regisseur José Padilha, der mit fiebriger Wackelkamera und schnellen Schnitten, den ganzen von Testosteron und Angst getriebenen Wahnsinn auch optisch angemessen abbildet."
Das Schwindelerregendste an diesem Film ist nicht die Härte, mit der die Spezialeinheit durchgreift, sondern die schlichte, wasserdichte Logik, nach der dieses System funktioniert, meint Peter Uehling. Der Regisseur "betont, dass diese Einheit mittlerweile genau so korrupt sei wie der Rest der brasilianischen Polizei. Verständlich, dass die Perspektive der Betroffenen sich in dieser Weise einschränkt. Der Film balanciert meisterlich zwischen Erzählung und (Pseudo-)Dokumentation, ist spannend und originell erzählt und macht es dabei niemandem recht - damit hält er sich von ideologischen Standpunkten fern und bewegt sich nahe an der Wirklichkeit."
Dieser Film ist ein lauter Schrei, stellt Julian Hanich fest. "Weil Padilha seinem Film einen hyperaktiven Stil verpasst hat, der das urbane Chaos leibhaftig spürbar machen soll, geht jede argumentative Nuance verloren. Im seinem Kugelhagel aus Schnitten, Reißschwenks und bombastischen Tönen bleibt dem Zuschauer kaum Zeit, einen klaren Gedanken zu fassen. Der 40-jährige Regisseur mag in Oxford studiert haben – klug ist sein Film nicht. Auch ein Kurzausflug in Michel Foucaults Machttheorie reißt das nicht mehr heraus. Ein anderes Problem ist die Faszination, die der Film für den militärischen Drill und den Korpsgeist der Elitetruppe hegt."
THE ELITE SQUAD trat eine mächtige Kontroverse los, als er im vergangenen Jahr in Brasilien anlief, weiß Ute Hermanns. "Der Film provoziert mit seinem Realismus: Wenn Drogenbosse ihre Gegner auf Scheiterhaufen aus Gummireifen verbrennen, erzürnt sich die brasilianische Mittelschicht und quittiert die Foltermethoden der BOPE mit Applaus. Umfragen der Zeitschrift Veja ergeben, dass 51 Prozent der Bevölkerung Folter ablehnen, 47 Prozent dafür sind, sofern sie einem "guten" Zweck dient. Titelseiten von Magazinen wie Carta Capital brachten Schlagzeilen wie "Capitão Nascimento - der neue Held"."
Wie Lennart Laberenz und Philipp Lichterbeck bemerken, wird über den Film in Brasilien heftig gestritten. "So gelingt es Padilha, ein intimes Bild vom Innenleben der Bope zu zeichnen: das unmenschliche Auswahlverfahren, Todeskult, Macho-Kultur. Zu intim für die Bope-Führung. Sie wollte THE ELITE SQUAD juristisch verbieten lassen und scheiterte. Nach dem Erfolg des Films behauptet sie nun, die Darstellungen seien korrekt – bis auf die Folterszenen. "Aber das ist eine Lüge", sagt Padilha."