| Regie | John Carney |
| Kinostart | 16.01.2008 |
Ein talentierter Straßenmusiker träumt in Dublin von der großen Karriere, während er im Geschäft seines Vaters Staubsauger repariert. Eines Tages wird er von einer jungen Pianistin angesprochen, die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Ihr gefallen seine Lieder und sie hat einen Staubsauger, der dringend repariert werden muss. Da wissen beide noch nicht, dass man nur einmal im Leben die richtige Person trifft: Eine bezaubernde, aber unmögliche Liebesgeschichte beginnt.
Für Stefanie Maeck scheitert ONCE grandios an der eigenen Ernsthaftigkeit. "Carney verfolgt seine Figuren beiläufig durch ärmliche Wohnungen, betrachtet Dublin in realistischer Manier von unten, von der Straße und den Verlieren des irischen Kapitalismus aus. Seine Kamera zeigt fast dokumentarisch die schlecht bezahlten Jobs und Junkies, die die Einnahmen in der Fußgängerzone klauen. Aber eine Atmosphäre oder eine den Film tragende Stimmung baut er damit nicht auf. Grobkörnige Bilder und Handkamera sollen die romantische Ader des Films befüllen, und doch führt in dem hochgelobten Musikfilm aus Irland vieles nicht zu wahrem Gefühl beim Zuschauer."
Joanna Itzek lobt den Film: "John Carney übersetzt Musik und Geschichte in wackelige Camcorderbilder. Er dreht eher mit Pragmatismus als mit cineastischer Anmut, was wohl auch dem Budget von 130.000 Euro geschuldet ist. Der leicht schrottige und gleichzeitig ungezwungene Einschlag macht sich gut in dem Milieu, in dem ONCE angesiedelt ist. Carneys Film stellt Charaktere in den Mittelpunkt, die von dem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum Irlands in den 1990er-Jahren kaum profitiert haben und bestenfalls einen Boheme-Lebensstil pflegen. Das allerdings ziemlich produktiv."
John Carney ist ohne Zweifel ein Wagnis eingegangen, schreibt Tim Slagman. "Herausgekommen ist ONCE, ein wunderbarer Film. Ein Stück Kino, das mit Bildern und Klängen, aber ohne störrischen Vorwärtsdrang erzählt, einen emotionalen Zustand herstellt zwischen Melancholie und Aufbruch, zwischen trauriger Reflexion und Sinnesfreude - und dabei niemals abstrakt wird. ... Zwei, die sich verlieben müssen, so wollen es die Regeln des Kinos seit je. Aber so einfach macht Carney es sich und den Zuschauern dann doch nicht damit."
"Der Kitt, der alles zusammenhält, und somit der eigentliche Star des Films ist die Musik. Der Regisseur nennt sein Werk deshalb auch eine "visuelle Langspielplatte". Betonung auf dem Wort lang: Songs werden hier nicht nur an- sondern ausgespielt. Der Zuschauer hat also Zeit, sich darauf einzulassen und wird so Zeuge, wie die Lieder ihre Intensität entfalten."
Das Musical beglückt laut Rainer Gansera die Welt. "Gleich beim ersten Song zeigt John Carney, wie er mit der Musik umgehen wird: keine Zerstückelung, keine Häppchen. Die Songs werden ganz ausgespielt, man kann sich in sie einfühlen, was wesentlich das Gelingen der Erzählung ausmacht, denn im Entstehungsprozess der Musik entfaltet sie das Gefühlsdrama ihrer Figuren. ... Der programmatische Song für einen Film, bei dem zwei in Liebesdingen Verwundete - zumindest im gemeinsamen Musikmachen - zu einem Herz und einer Seele werden."
Frank Junghänel wärmt der Film das Herz. "Die Musik an sich ist nicht unbedingt die Stärke dieses Musikfilms. Es ist vielmehr der nie albern wirkende Umgang mit dieser Musik. Zwanglos entwickeln sich Gesangseinlagen aus der jeweiligen Szene; etwa, wenn das Mädchen mit dem Discman zum Einkaufen geht und dabei die Strophen eines Songs, deren Text sie gerade dichtet, leise vor sich hin singt. ... Die Kritiker waren begeistert und als Steven Spielberg erklärte, ONCE habe sein Jahr gerettet, schaukelte sich die Euphorie noch weiter hoch. Nun wollen wir sie wieder ein Stück herunterzuschaukeln. ONCE definiert nicht den Musikfilm neu, es ist eine kleine Geschichte fürs Herz. Manchmal genügt das schon."
Einen der schönsten Liebesfilme der letzten Zeit sah Sebastian Handke. "Die schönsten Momente bemerkt man erst, wenn sie verstrichen sind: ONCE erzählt nicht wirklich eine Geschichte, er hat auch nichts über Beziehungen zu sagen, sondern zeigt einige Tage im Leben zweier Menschen, die diesen Moment erkennen, ihn leben und dann ihrer Wege gehen, ohne dass es auch nur zu einem Kuss gekommen wäre. Wie beiläufig gelingt John Carney etwas, das zum Kern eines Filmes wie diesem gehört und doch so schwer nur zu erreichen ist: den besonderen Augenblick in einer kurzen Dauer zu verdichten, in der sich die Zeit zugleich dehnt und rafft – ganz so, wie es sonst nur in der Musik möglich ist."
Michael Kohler entdeckt einen Gegenentwurf zu Hollywood. "Auf seine Art führt ONCE das Genre des klassischen Backstage-Musicals fort, indem er zeigt, wie seine Musik entsteht. Dazu passt, dass die beiden Hauptdarsteller, der Singer-Songwriter Glen Hansard und das musikalische Multitalent Markéta Irglová, bereits ein gemeinsames Album aufgenommen haben und ihr musikalisches Zusammenfinden hier dramatisch verwandelt nachstellen. Am Ende wartet nicht das glitzernde Finale auf das mühelos in Atem gehaltene Publikum, sondern ein Wochenende im Tonstudio."
In Once nimmt ein privates, keusches, unspektakuläres Kammerspiel seinen Lauf, schreibt Cosima Lutz. "Sympathien heischt ONCE gerade durch solche erzählerische Dezenz und die angeraute Oberfläche einer Independent-Produktion. Und durch die Beschwörung einer Erfahrung: Schließlich verbindet jeder, der Herz und Ohren hat, Lebens-Epochen mit einem Song, und sei's ein schlechter. Oder einer, der ein bisschen egal ist."
Von einem Musical im herkömmlichen Sinne ist ONCE Lichtjahre entfernt, stellt Anne Wotschke fest. "Zwar spielt Musik hier eine dominierende Rolle - die beiden können ihre Gefühle viel besser in Liedern ausdrücken als mit Worten - doch neben dieser musikalischen Verbindung geht es hier vor allem um die Annäherung zweier Menschen, die sich beide nicht wirklich aus ihren letzten Beziehungen gelöst haben und in dieser schwierigen Phase aufeinandertreffen. Die Musik dient dabei als erstes verbindendes Element und wird zu einem Vehikel, den Phantomschmerz dieser vergangenen Liebe zu bewältigen.2
Marcus Wessel sah eines der schönsten und wahrhaftigsten Musicals der letzten Jahre. "ONCE zeigt das andere Irland. Das der Künstler, der einfachen Leute, der Immigranten und Arbeitslosen. Carney kennt sich aus in diesem Milieu. Er selbst war lange Jahre Musiker. Unter anderem spielte er als Bassist in Hansards Band, was erklären könnte, warum sich sein Film derart authentisch anfühlt. Der Spaß, den alle Beteiligten während der gerade einmal zweiwöchigen Dreharbeiten hatten, überträgt sich fast zwangsläufig auf den Zuschauer. So werden die Aufnahmen im Tonstudio kurzerhand zu einer Art Privatkonzert umfunktioniert, das Ohrwürmer wie das sanft-rebellische "When your mind’s made up" hervorbringt."
Joachim Kurz ist begeistert: "Das Musical, das keines ist, vollbringt das Kunststück, die Songs wie selbstverständlich in den Handlungsablauf einzupassen, so dass hier nichts zu spüren ist vom Nummernrevue-Charakter herkömmlicher Musicals. Und zugleich präsentiert ONCE keine abgehobene Kunstwelt, sondern widmet sich den Drop-outs, den Verlierern des irischen Wirtschaftswunders, so dass dieser Film Kunst und Realität auf beeindruckende und gänzlich unprätentiöse Weise miteinander verknüpft."