DIE ZWEIGETEILTE FRAU

film-zeit Film: DIE ZWEIGETEILTE FRAU
Regie Claude Chabrol
Kinostart 10.01.2008

Inhalt • DIE ZWEIGETEILTE FRAU

Die schöne 25jährige Gabrielle ist hin- und hergerissen zwischen Charles, einem berühmten Schriftsteller und notorischen Frauenverführer, und Paul, dem attraktiven aber unsteten Erben eines Familienvermögens. Als sie sich seinen Annäherungsversuchen widersetzt, entwickelt Paul einen wilden, verrückten Hass auf den Rivalen. Ein gefährlicher Reigen aus Liebe und Eifersucht beginnt ...

Kritiken • DIE ZWEIGETEILTE FRAU

10. Januar 2008 | Kritik • Die Süddeutsche Zeitung

Laut Fritz Göttler beherrscht der Regisseur wieder alle Tricks. "Souverän navigiert Chabrol erneut zwischen der Oper und dem bürgerlichen Melodram. Es sind Bilder der Liebe, die er präsentiert, aber hinter ihnen taucht nie eine definitive Vorstellung dieses Phänomens auf. Weil jeder so hemmungslos und hinreißend seinen eigenen Trieben folgt, geht dem Film jede moralische Verklemmung ab, die alten Gut/Böse- und Opfer/Verfolger-Muster greifen nicht."

10. Januar 2008 | Kritik • Die Welt

Cosima Lutz sah einen sauber gemachten Trümmerhaufen. "Es hat Größe, wie Chabrol die geopferte Unschuld dann doch noch über den Film und ihren Macher triumphieren lässt. In der tatsächlich aufgebotenen Zaubertrick-Sequenz gibt es keinen echt aussehenden Tod mehr, kein Blut. Nur noch die reale Metapher und den unwahrscheinlichen Frauenkörper: Das Sägeblatt dreht sich, perforiert den Leib, Gabrielle dreht ihr Köpfchen lächelnd in Richtung Kamera, während ihr geschminkter, tatteriger Onkel sie als "die zweigeteilte Frau" anpreist. Ein Spiegelkabinett bloßer Selbstironisierungen, das irgendwann nach Sägemehl schmeckt."

10. Januar 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Gerhard Midding liest den Filmtitel als Metapher. "Seine Lust an der Karikatur weist diesmal gewisse Schleifspuren auf. Den Kontrast zwischen alteingesessener Bourgeoisie und vulgärer Medienwelt hätte er nuancenreicher zeichnen können. Gleichwohl trifft sein satirischer Furor. Diese Zweideutigkeit beschert dem Film eine auf den ersten Blick undurchsichtige Gemengelage der Motive. Er treibt ein listiges Spiel mit Gaukelei und Illusion (das Fernseh- und Literaturmilieu ist mit Bedacht gewählt), bei dem Zauberei eine wichtige Rolle spielt."

10. Januar 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

Stefan Grissemann hat mit dem Regisseur Claude Chabrol über Arbeitswut, Stereotypen und den Lieblingsfeind Bourgeoisie gesprochen.

10. Januar 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Auf Dauer fühlt sich Kerstin Decker vom Regisseur etwas gelangweilt. "Oder haben wir nur kein Talent mehr, einen Chabrol zu sehen? Denn eins ist klar: Jeder Schriftsteller ist ein Vampir. Und Chabrol war immer ein Komplize der Masken. Er ist nicht stellbar in seinen besten Filmen, auch hier nicht. Und dabei handelt es sich bei der "Zweigeteilten Frau" um einen seiner schwächeren Filme. Er misslingt nicht einmal auf großartige Weise. Aber man wird denkend dabei, also hellwach. Im Januar kann einem kaum etwas Besseres passieren. Und optisch ist er wie so oft bei Chabrol von makellos kühler Eleganz und Perfektion."

10. Januar 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Marcus Rothe interviewt den Regisseur zu Macht, Dekadenz, Puritanismus und dem neuen Prekariat.

09. Januar 2008 | Kritik • Der Spiegel

Wolfgang Höbel und Daniel Sander sprechen mit der Hauptdarstellerin Ludivine Sagnier über Macht und Poesie.

08. Januar 2008 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Alexander Marguier unterhält sich mit der französischen Schauspielerin Ludivine Sagnier über Film-Amouren mit alten Männern, Sex in der Wohlstandsgesellschaft - und über Lauren Bacall.

28. Dezember 2007 | Kritik • critic.de

Eine zynische Gesellschaftsanalyse sah Almut Steinlein. Er lässt "genüsslich zwei gesellschaftliche Milieus miteinander kollidieren, die sich im Alltag wohl eher aus dem Weg gehen: die Diskretion schätzenden alteingesessenen bürgerlichen Eliten und die auf mediale Öffentlichkeit angewiesenen Künstler und Fernsehleute. Beide Gesellschaftskreise seziert er mit gewohnt beißendem Zynismus: hier die Borniertheit und Perversität der Medienwelt, dort die steife Etikette, wo es in jedem Augenblick die Contenance zu wahren gilt. In messerscharfen Analysen, wie beim hohlen Small Talk auf der Benefizgala oder in Charles’ Interview mit einem Literaturkritiker im Fernsehen, führt Chabrol seine Figuren vor."

13. Dezember 2007 | Kritik • programmkino.de

Die betagte Vorlage erweist sich laut Volker Mazassek als Handicap für den Film. "Nicht nur, weil die beiden Männer äußerst unsympathisch sind, was – nebenbei - für einem Film fast immer schlecht ist, sondern weil es antiquiert und überholten Männerfantasien gefährlich nah ist. Gabrielle verwandelt sich wenig plausibel von einer selbstbewussten Frau zum devoten Spielball männlicher Gelüste. Doch jemand wie sie hat das heutzutage nicht nötig. Da haben sich die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Männern und Frauen in den vergangenen hundert Jahren doch zu stark verändert."

04. September 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Laut Dirk Schürmer zerlegt der Regisseur wieder einmal gründlich bürgerliche Milieus. "Exakt, aber irgendwie vorhersehbar zeichnet er zwischen Lyoneser Esstempeln und Rosengärten das Bild von gefühlskranken Schwerreichen, die sich angesichts von korrupten Priestern, Wohltätigkeit und Langeweile längst zu sozialen Untoten entwickelt haben. Eine verzeihliche Sentimentalität, dass die romantische Heldin - ähnlich de Sades unglücklicher Justine - inmitten dieser Schießbudenfiguren des ermatteten Kultur- und Wirtschaftszirkus als Einzige Gefühle zeigen darf."

04. September 2007 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Chabrol hat sich diesmal eine für seine Verhältnisse tatsächlich eher artifizielle Gemeinde vorgenommen, meint Susan Vahabzadeh. "Es geht bei Chabrol, wie immer, darum, dass der Mensch von Haus aus irgendwie böse ist, er hat bloß unterschiedliche Arten, es auszudrücken oder zu unterdrücken. Eine hübsche Geschichte, bei der Chabrols Sympathien voll und ganz bei dem Mädchen liegen, auch wenn sie ihrerseits nicht ganz sauber ist - aber moralische Menschen fand er schon immer langweilig."

04. September 2007 | Kritik • Der Spiegel

Eine Sex- und Hörigkeitsgeschichte sah Wolfgang Höbel. "Das alles präsentiert Chabrol ein bisschen routiniert und klischeesatt. O-Ton: "Jaja, im seltsamen Frankreich treiben sie's wirklich so kreuz und quer durch drei Generationen!" Aber dann doch mit schöner Bosheit: Der eitle alte Sack, dem die schöne Gabrielle ihr Herz schenkte, kommt nicht ungeschoren davon."

03. September 2007 | Kritik • Der Tagesspiegel

Für Jan Schulz-Ojala erzählt der Regisseur mit geläufig gefallsüchtiger Distanziertheit von einem Trio der Unsympathen. "Es kommt zum Eifersuchtsdrama, das insofern klirrekalt lässt, als Chabrol sich zwischen Tragödie und Farce nicht entscheiden mag. Keiner der Charaktere rechtfertigt die Gefühle, die sich drehbuchgerecht für ihn entzünden – und so bleibt dem Publikum nur der ebenso schmerz- wie vergnügungsarme Konsum eines Routinewerks."

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