| Regie | Jaume Balaguero |
| Paco Plaza | |
| Kinostart | 08.05.2008 |
Fernsehmoderatorin Angela Vidal und ihr Kameramann Pablo wollen eigentlich nur eine Nacht lang den Alltag der Männer einer Feuerwache dokumentieren. So denken sie sich nichts weiter, als die Feuerwehrmänner zu einem Routine-Einsatz in ein altes Mietshaus gerufen werden, wo sie der Polizei die Tür zu einer Wohnung öffnen sollen. Doch dann werden sie in der Wohnung von einer blutverschmierten Frau angegriffen, ein Polizist wird schwer verletzt. Flucht ist unmöglich, denn mittlerweile hat die Polizei das Gebäude weiträumig abgesperrt. Fernsehteam, Beamte, Feuerwehrmänner und Mieter sind gefangen in dem Haus. Dann bricht die Hölle los ...
Rüdiger Suchsland ist begeistert: "Etwas sehr Besonderes ist [REC] unbedingt: Mit einfachsten Mitteln erzählt, schmutzig und dreckig, entstand ein Gruselkabinett des Katholizismus, das puren Horror mit erkennbarem Bunuelschem Gelächter und Trash-Ästhetik mit dem Bild eines teuflischen Christentums verbindet. Ein "mad scientist" und kaum ernstzunehmende Sätze wie "I have finally located the enyzm" kommen ebenso vor wie geschickt eingestreute war-on-terror-Verweise; immer gehen schockartig irgendwelche Türen auf, und gegen Ende begegnet man dem Teufel - möglicherweise. Jedenfalls findet [REC] Bilder fürs Teuflische, die man seit dem EXORCIST so nicht mehr gesehen hatte."
Zombiefilm-Papst George Romero hat würdige Nachfolgern gefunden, meint Christoph Huber. "Die Wirksamkeit von [REC] verdankt sich vor allem der Haltung und Inszenierung des Films, die Story wurde souverän auf Funktionalität des Schreckens hin getrimmt. ... Die Beschränkung der Schauplätze sorgt für Klaustrophobie, die meisterhafte Nutzung beschränkter Möglichkeiten für Spannung: Zum Reportagestil passende, drastische Mittel wie Reißschwenks oder der Mangel an Kunstlicht kaschieren die klassische Bauweise des rasanten Grusels: Jenseits blutiger Schocks wird vor allem mit dem Sichtfeld gespielt. Die nervösen, schließlich panischen Kamerafluchten denken eine unheimliche Kinotradition weiter, die den Horror stets in der Verdunkelung andeutet."
Stets bleibt [REC] Unterhaltungskino, stellt Lukas Foerster fest. "Als solches funktioniert der Film zumindest bis kurz vor Filmende ausgezeichnet. Trotz der subjektiven Kamera, die in ähnlichen Projekten oft für überflüssige Längen sorgt, spult [REC] sein Programm mit hoher Geschwindigkeit ab. Konsequent reduziert der Film seinen Handlungsraum auf ein Mietshaus und seine Handlungszeit auf einige wenige Stunden von Mitternacht bis Morgengrauen und erinnert nicht nur in dieser Hinsicht an Romeros modernen Klassiker. Leider vertrauen die Regisseure am Ende des Films nicht mehr auf die Tragfähigkeit der Ausgangssituation und laden den Plot mit religiös verbrämten Verschwörungstheorien auf."
Weder ästhetisch noch thematisch bietet [REC] laut Michael Kohler "wirklich Neues, doch wie Balagueró und Plaza den Kampf ums Überleben inszenieren, sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Figuren sitzen in der Falle, der Raum zieht sich zusammen, Entsetzen macht sich breit. Selbstredend läuft die Kamera dabei beständig mit und spart stets genug vom Geschehen aus, um die Fantasie zusätzlich anzuregen. Am Ende mildert kein Ismael den Schrecken. Nur die Kamera war Zeuge; die Hände vors Gesicht schlagen müssen wir schon selbst."
Eberhard von Elterlein vergleicht den Film mit BLAIR WITCH PROJEKT. "Hubschrauber-Geknatter, Scheinwerfer-Licht und Megafon-Durchsagen der bald das Haus umstellenden Polizei erhöhen in der verengten Perspektive unserer Reportagekamera mit ihrem wild umherschwenkenden Kameramann das Gefühl totaler Orientierungslosigkeit. So entwickelt sich dieses "TV Bitch Project" zum klaustrophobischen Albtraum, etwas überraschungsarm, aber effektvoll."
Gut geklaut ist besser gegruselt, frohlockt Daniel Sander. Der Film mag "zusammengeklaut sein, aber die Filmemacher haben so gut geklaut, dass es eine Freude ist. Wenn die Türen des Hauses erstmal verschlossen sind, wird aus dem Film eine wilde und mitreißende Achterbahnfahrt. Pausen zum Durchatmen gibt es nicht, es geht immer noch ein bisschen schneller, noch schockierender, noch klaustrophobischer, noch entsetzlicher, 75 Minuten lang, bis zum wundervoll überreizten Finale. [Rec] tut auf gänzlich unprätentiöse Weise und ohne übertriebene Splattereffekte das, was ein guter Horrorfilm immer machen sollte und doch so selten wirklich schafft: erschrecken, Angst einjagen, niemals Langeweile aufkommen lassen."
Alles klingt für Dirk Schürmer "arg konventionell, langweilig gar. Doch die Grundidee der beiden spanischen Horrorexperten trägt den Film tatsächlich: Wir sehen ausschließlich, was der Fernseh-Kameramann in seinem heldenhaften Bemühen um Zeugenschaft aufzeichnet: verwackelte Bilder, missratene Moderationen, unverständlichen Atmosound und Augenzeugen, die sich vor den Fernsehleuten umständlich ins rechte Licht setzen, bevor sie schlagartig aus dem Bild gebissen werden. ... Balagueró/Plaza bedienen das Publikum hier nicht nur als ausgefuchste Gruselonkel, sondern treten zugleich auch als witzige Avantgardisten auf, die aus den Mobilphonfilmchen von Katastrophen und schludrigem Billigfernsehen fürs abendfüllende Kino Kapital geschlagen haben."
Als echten Horror-Schocker bezeichnet Jan Schulz-Ojala das Werk. "Was erst bleiern ereignislos dahinzustreichen droht, entpuppt sich alsbald – wörtlich! – als Einsatz ihres Lebens. Schließlich mutieren die Bewohner des eigentlich harmlosen Altbaumietshauses mit allerdings sehr langen, sehr dunklen Wohnungsfluren binnen jener Nacht allesamt zu Zombies, Kollateralschäden bei den Einsatzkräften nicht ausgeschlossen, wohl aber ein Blockbuster-Happyend. Und der geregelte Nachtschlaf nach dem Genuss von "Während du schläfst" sowieso: Schließlich hat die Kamera – REC (sic!) – alles, aber auch wirklich alles aufgenommen."
Dieser Horrorfilm hatte genau die gesunde Härte, die man von den Spaniern erwarten darf, lobt Rüdiger Suchsland. "Ein Horrorkabinett des Katholizismus über ein teuflisches Christentum, das sich nebenbei natürlich auch den Terrorismus-Verweis nicht entgehen lässt.
Ein hervorragend gelungener blutiger Alptraumtrip - kurz (83min), schmerzhaft und mit einfachsten Mitteln findet er schmutzige und ziemlich ekelige Bilder fürs Teuflische, wie man sie seit EXORCIST so nicht mehr gesehen hatte."