HALF NELSON

film-zeit Film: HALF NELSON
Regie Ryan Fleck
Kinostart 27.03.2008

Inhalt • HALF NELSON

Dan, ein junger weisser Lehrer, arbeitet an einer Schule, wo die Mehrheit der Jugendlichen Farbige sind und am Rande der Gesellschaft leben. Um als Erzieher etwas zu bewirken, weicht er von klassischen Unterrichtsformen ab und sucht nach neuen Wegen, die Aufmerksamkeit der Schüler zu gewinnen. Trotz nobler Ideale, gerät Dan jedoch in den Strudel der Drogensucht.

Kritiken • HALF NELSON

27. März 2008 | Kritik • critic.de

Der Regisseur umschifft laut Sascha Keilholz diverse Klischeeklippen. "Fleck verlässt sich ganz auf sein schlichtes Setting, die bereits aufgebaute Atmosphäre und vor allem die Chemie zwischen seinen beiden Hauptfiguren. Nur über die Blicke zwischen den beiden entwirft er ein reiches emotionales Panorama von dramatischer Sprengkraft. Ryan Gosling, der in seinem Augenspiel stark an Christian Bale erinnert, dabei aber von wesentlich schmächtigerer Statur ist und eine völlig andere Körperhaltung pflegt, fasziniert in jeder Einstellung durch sein komplexes Agieren, das sich immer im Bereich des Understatements bewegt. Dass er den Film dadurch nicht dominiert, ist das Verdienst seines Gegenübers, Shareeka Epps."

27. März 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Ungeschönt nennt Peter Uehling den Film. HALF NELSON "gelingt eine Gratwanderung: Der Film ist weder eine Sozialschmonzette, in der die private Initiative jedes Problem lösen kann, noch verfällt er den Klischees eines sogenannten schonungslosen Realismus, in dem die Menschen von den Umständen erdrückt werden. ... [Die Filmemacher]] wissen, dass das Leben einerseits undramatischer ist und andererseits viel komplizierter, weil Menschen widersprüchlich sind. Mit diesem Wissen haben sie einen ungeheuer starken Film gemacht, der seine Zuschauer nicht ohne Hoffnung, also fast schon glücklich entlässt."

27. März 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

HALF NELSON ist auf spektakuläre Weise unspektakulär, lobt Dietmar Kammerer. "Ein kleiner, stiller Film, der die großen Themen - Menschenrechte, Rassismus, Krieg, soziale Diskriminierung - im Blick behält und auf der alltäglichen Ebene individueller Erfahrungen wirksam werden lässt. Der von Entmutigung handelt und davon, wie Menschen, ob sie wollen oder nicht, mit jedem Handeln oder Nichthandeln eine Entscheidung treffen - für sich und für andere. Wie Teil des Systems sein und dennoch dagegen wirken?"

27. März 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Das alles könnte der Stoff sein, aus dem schlechte Gutmenschenfilme gestrickt sind, findet Jens Mühling. "Doch Regisseur Ryan Fleck und Produzentin Anna Boden scheinen sehr genau gewusst zu haben, dass sie in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm mit gefährlichem Material hantieren; dass das Genre des Drogenfilms selbst zur Klischeesucht neigt. Fleck und Boden aber gelingt ein packendes Drama, das nicht nur, aber auch nicht zuletzt vom fulminanten Spiel seiner Hauptdarsteller lebt: der gerade 18-jährigen Shareeka Epps, die als hyperintelligente Pubertistin glänzt, vor allem aber Ryan Gosling, der für seine Verkörperung des faustisch zerrissenen Junglehrers zu Recht mehrfach ausgezeichnet und vergangenes Jahr sogar für den männlichen Hauptrollen-Oscar nominiert wurde."

27. März 2008 | Kritik • Berliner Morgenpost

Das subtile Drogendrama hat Thomas Abeltshauser überzeugt. "Dans fiebrig-verstrahlte Sicht überträgt Ryan Fleck in seinem Regiedebüt in verwackelte, teils unscharfe Bilder und extreme Nahaufnahmen, in denen oft nur Teile eines Gesichts zu sehen sind. Auch die Ausmaße der Sucht werden erst im Laufe der Zeit sichtbar, vieles ist ebenso angedeutet wie es in Dans Umfeld, in seiner Familie, unausgesprochen ist. Auch bei der Annäherung zwischen Lehrer und Schülerin schafft der Film eine subtile Gratwanderung zwischen all den Tabus, mit der eine solche Beziehung behaftet ist."

27. März 2008 | Kritik • kino-zeit.de

Es hätte ein platter Problemfilm werden können, meint Joachim Kurz, "doch Fleck und Boden umschiffen zielsicher jegliches Klischee von heldischen Paukern, die ihre auf die schiefe Bahn gekommenen Schülern bei der Hand nehmen und auf den Weg der Tugend zurückführen. HALF NELSON geht einen anderen Weg. Und er tut gut daran. Statt einen unglaubwürdigen Superhelden präsentiert der Film einen in seiner Schwäche und all seiner Widersprüchlichkeit durch und durch glaubhaften Protagonisten, der bis zur letzten Minute fesselt. Und mit Shareeka Epps hat Gosling eine kongeniale Schauspielerin an seiner Seite, deren Leistung ebenso viel Respekt verdient wie seine."

20. März 2008 | Kritik • programmkino.de

Der Film provoziert, weil er ehrlich ist, meint Gary Rohweder. "Ein Film über einen Lehrer, der zu keiner Zeit belehrend wirkt. Ein Film, der keine Tabus bricht sondern geschickt mit ihnen spielt."

08. August 2006 | Kritik • Die Welt

Erfrischend findet Peter Claus den Film. "Beobachtet wird das Auf und Ab eines Drogensüchtigen. Beruf: Lehrer. Als ihn eine Schülerin zugedröhnt auf dem Schulklo findet, bleibt nur die Wahl zwischen totaler Selbstaufgabe und einem sauberen Neubeginn. Auch hier: Identität gesucht. Hauptdarsteller Ryan Gosling, ein Star des unabhängigen US-amerikanischen Kinos, gibt dem Mann im Abseits eine fesselnde Wahrhaftigkeit."

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