| Regie | Gela Babluani |
| Kinostart | 13.03.2008 |
Der junge Georgier Sébastien hält sich und seine Familie in Frankreich mühsam mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als ihn der morphiumsüchtige Monsieur Godon damit beauftragt, das Dach seiner verfallenen Villa zu reparieren, belauscht Sébastien wie Godon über einen Brief spricht, der alle seine Geldprobleme beseitigen wird. Kurz nachdem der ominöse Brief eintrifft, stirbt der Alte an einer Überdosis. Sébastien nimmt den Brief an sich und folgt den geheimnisvollen Anweisungen darin. Der Weg führt ihn in einen schwarz-weißen Albtraum in der Tradition Hitchcocks und des frühen Polanski.
Marli Feldvoss sah einen "Thriller mit Film noir-Attitüde, der ohne Pathos die tödlichen Gesellschaftsspiele einer eingeschworenen Gemeinde globaler Player verfolgt, die sich bei der nächsten Gelegenheit auf ein Neues an irgendeinem anderen geheimen Ort versammeln wird. Hier wird keine Anklage erhoben, keine Schuldfrage gestellt. Immer wieder schaut der Film Sébastien ins Gesicht, für den es kein Entrinnen gibt, der Runde um Runde lernt wie die anderen zum Russischen Roulette anzutreten. Die Suspense des Films kommt aus der Wechselwirkung von Kälte und blutrünstigem Kitzel dieser Player, die einzig um ihre Millionen und ihre Wetten bangen. Der Geruch von Massenmord liegt in der Luft."
Andreas Busche hat sich von dem kleinen, fiesen Terrorfilm in Schwarz-Weiß überzeugen lassen. "Die Ungerührtheit, die der Film suggeriert, hat etwas Unausweichliches, Nihilistisches. Babluanis Menschenbild folgt demselben modischen Zynismus, der gerade in Hollywood angesagt ist. Zugleich zeichnet Babluanis Bilder eine sublime Trostlosigkeit aus - eine sehr osteuropäische Sensibilität, möchte man meinen. Aber da holt Babluani auch schon zu seiner finalen Volte aus, seiner zynischsten. Es gibt kein Entrinnen in 13 TZAMETI. Und keine Gewinner."
Heike Kühn hat der Film zum Staunen gebracht. "13 TZAMETI unterläuft die Ausschlachtung hilflosen Bilderfleischs durch eine kaum auszuhaltende Nähe zu den Opfern, die auch Täter sind. Angst, Hoffnung, Skrupellosigkeit und Indifferenz tropfen als Schweiß und Blut nieder, mischen sich mit den großspurigen Gesten der Herrenmenschen. Die Buchhalter, die Wetter, die Spieler, sie bewegen sich in einer kafkaesken Strafkolonie, die niemand ungezeichnet lässt. Inmitten des Horrors, menschlich zu sein, entfaltet sich eine Passions-Geschichte, eine weit zurückgreifende und zugleich erfinderische Filmsprache, die das Leiden nicht denen überlassen will, die es finanziell ausschlachten."
Michael Kienzl ist überaus angetan, da der Film trotz zahlreicher formaler Stilisierungen nie unangenehm konstruiert oder gekünstelt wirkt. Der Regisseur bindet "die soziale und ethnische Herkunft seines Protagonisten in den Film mit ein, jedoch ohne seinem Publikum eine Botschaft über die Ungerechtigkeit in der Welt aufzudrängen. Es wäre zu einfach gewesen, die Drahtzieher hinter dem Spiel als unzivilisierte Monster darzustellen. 13 TZAMETI wirkt deshalb so beklemmend, weil sich das Unmenschliche hinter der Oberfläche einer scheinbar zivilisierten Gesellschaft abspielt, deren Vertreter nicht nur Anzüge tragen, sondern auch ausgesprochen gute Manieren haben."
Volker Mazassek entdeckt viele Einflüsse. "Es gibt an diesem Film wenig zu beanstanden außer einer etwas unübersichtlichen Exposition, die es dem Zuschauer nicht leicht macht zu erfassen, wohin die Reise gehen wird. Doch dann kommt die kalte Mechanik des Räderwerks unerbittlich in Gang, und die kreischende Stimme des Zeremonienmeisters in diesem Todesspiel wird einem noch lange im Ohr bleiben."
Andreas Maurer hat die Vorbilder des Regisseur erkannt. "Im Wissen um die Marktgesetze hat Babluani sein Talent in einen letztlich oberflächlichen Thriller investiert - der allerdings unter die Haut geht wie kein andrer dieses Jahr. Gelegentlich spekulieren wir alle gern auf den Lohn der Angst."